GEGLÜCKTE VERBINDUNGEN

Im Louvre Abu Dhabi sorgen vielfach kombinierte Gussgläser für eine einzigartige Lichtstimmung. Erfahren Sie, warum der Architekt Jean Nouvel gerade diese Gläser ausgewählt hat und wie die besondere Wirkung zustande kommt.

Saadiyat – Insel des Glücks – heißt die große Insel vor den Toren Abu Dhabis, die sich gerade zum neuen kulturellen Zentrum der Vereinigten Arabischen Emirate entwickelt. Zum darauf entstehenden Museumsareal gehört auch der gerade eröffnete Louvre. Beim Entwurf des Museums ließ sich Architekt Jean Nouvel von der Stadt Medina und typischen arabischen Siedlungen inspirieren. Es entstand eine Art Museums-Stadt im Meer, geformt aus 55 weißen Gebäuden, die eine riesige stählerne Kuppel zu einer Einheit zusammenfasst. Die Bauten sind unterschiedlich groß und zum Teil von Wasser umflossen.

Lichtregen unter der Kuppel
Eine Fläche von knapp 100.000 Quadratmetern umfasst der Museumsbau selbst. Seine Kuppel hat einen Durchmesser von 180 Metern, lagert nur an vier Stellen auf und besteht aus acht Schichten von Stahlornamenten, die ein sternförmiges Gitter bilden. Diese filtern das Licht wie ein Blätterwerk, lassen Helligkeit herein und schützen doch vor Hitze und Sonne. Jean Nouvel spricht von einem „Lichtregen“, der unter der Kuppel entsteht, einzelne Bereiche hervorhebt und andere nur erahnen lässt. Nouvels Grundidee für den Museumsbau war es, einen Raum für Emotionen und Ruhe zu schaffen – eine Oase, in der man sich ganz dem Anblick der Kunst hingeben kann. Tagsüber gelingt dies, indem natürliches Licht durch die Ornamentkuppel nach innen dringt. Nachts hingegen kehrt sich die Wirkung um: Die Beleuchtung strahlt von innen nach außen und verleiht dem Komplex eine geheimnisvolle Aura.

Blendfreie und breit gestreute Belichtung
Eine besondere Lichtstimmung wünschte sich Jean Nouvel auch für das Innere der 23 Ausstellungskuben, die sich zum Großteil unter der Kuppel befinden. Gerade Museen erfordern in Sachen Beleuchtung eine besonders sorgfältige Planung. Exponate müssen ins rechte Licht gerückt und gleichzeitig vor Schaden durch zu grelle Strahlung bewahrt werden. Gefordert ist eine möglichst blendfreie und breit gestreute Belichtung. Gleichzeitig stellte sich Jean Nouvel eine Souk-ähnliche Atmosphäre mit diffusem Licht vor, in der sich die Besucher bewegen. Als natürliche Lichtquellen dienen daher Decken aus Gussglas. Im Gegensatz zu planem Glas sorgt Gussglas durch seine Facettierung für die gewünschte Lichtbrechung und so für eine diffuse Belichtung. Als zusätzliche Besonderheit bestehen die Glasdecken aus je zwei miteinander laminierten Gussgläsern, die verschiedene Strukturierungen haben oder zueinander verdreht eingebaut sind. So zaubern sie herrliche Lichteffekte in das Innere der Ausstellungskuben.

Vier Gussgläser mit erstaunlichem Effekt
Zum Einsatz kamen die Gläser SGG VISIO SUN, SGG ESTRIADO, SGG KRALIKA und SGG LISTRAL F: „Über die Entscheidung, gerade diese vier Gussgläser miteinander zu kombinieren, bin ich eigentlich immer noch ziemlich erstaunt“, sagt Manfred Brunner, „es sind eigentlich eher einfache Gläser.“ Dennoch kein gewöhnlicher Auftrag für den Vertriebsleiter DECORGLASS/MASTERGLASS und Leiter des Kundenserviceteams im Saint-Gobain Glass-Werk in Mannheim. Brunner war von Anfang mit der Auswahl und Produktion der Gussgläser für den neuen Louvre Abu Dhabi befasst und hatte dem Architektenteam aus der umfangreichen Palette an Gussgläsern Vorschläge gemacht. Das Büro von Jean Nouvel und seine Projektberater hatten früher bereits mit Saint-Gobain und dem Werk in Mannheim zusammengearbeitet und wandten sich auch dieses Mal schon in einer frühen Planungsphase an die Glasexperten. Gemeinsam erprobten sie die Lichtwirkung unterschiedlicher Kombinationen von Gussgläsern, bis die gewünschten Effekte erreicht waren.

Anspruchsvolle Produktion
Obschon Standarddekore stellte sich die Produktion der Gläser als ziemlich anspruchsvoll heraus, da sich die Architekten alle Gläser als extra-weiße Ausführung wünschten, beim Floatglas als SGG DIAMANT bekannt. „Das ist eigentlich kein Problem, aber weil die vier ausgewählten Dekore sonst nicht in dieser Qualität produziert werden, mussten sie jeweils als Einzelprodukt hergestellt werden, das war aufwändig und zeitintensiv. Und wir hatten nur wenige Wochen Zeit, denn die Gläser sollten bis Weihnachten fertig sein.“ Mit viel Engagement gelang es dem Team in Mannheim, den Zeitplan einzuhalten. Letztendlich kamen im Louvre Abu Dhabi rund 25.000 unterschiedliche Scheibenmaße zum Einsatz – und 18 verschiedene Glastypen.

Das Ergebnis überzeugt auch Manfred Brunner: „Durch die unterschiedlichsten Kombination von nur vier Motiven sind eine Vielzahl an faszinierenden Mustern und Strukturen entstanden. So lassen sich mit gestalterischen Mitteln mit an sich unspektakulären Gussgläsern einzigartige Effekte erzielen.“

 

Bild: © Marc Domage

  

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