GESCHLOSSENER EINDRUCK

In der Zürcher Innenstadt besticht seit Mai 2017 das Geschäftshaus Brandschenkestrasse 24/30 mit einem neuen edlen Erscheinungsbild. Die elegante, fließende Wirkung der Fassade basiert auf einer Besonderheit, der ersten gebogenen Closed Cavity Fassade.

Die Fassade des sanierten Geschäftshauses Brandschenkestrasse 24/30, an einem historisch renommierten Geschäftsstandort in der Zürcher Innenstadt, wird bestimmt von teilweise wellenförmigen Fensterbändern, die wie eine Hommage an die Stromlinien-Moderne wirken. Dafür wurden die bereits in den Bestandsgebäuden aus den 1960er- und 1980er-Jahren vorherrschenden horizontalen und vertikalen Linien bei der Sanierung der Gebäudezeile in einer prägnanten, fließenden Linie wieder aufgenommen. Das Gebäudeensemble wurde durch die AXA Winterthur nach einem Entwurf des Zürcher Büros Romero & Schaefle Architekten nach strengen energetischen Standards wie dem Schweizer Minergie saniert und wird als moderne, maximal flexible Bürofläche in Neubauqualität vermietet. Erst auf den zweiten Blick erschließt sich die beeindruckende Konstruktion, die zugleich einen Meilenstein der Gebäudetechnologie darstellt: Bei der Fassade handelt es sich um die erste gebogene Closed Cavity Fassade (CCF)..

Fließende Übergänge
Das Gebäude Brandschenkestrasse 24 nimmt mit seiner U-förmigen Gestalt eine Sonderstellung innerhalb des umgebenden Blockrandquartiers aus dem 19. Jahrhundert ein: Der Kopfbau bildet den Abschluss der anschließenden Randbebauungen der Brandschenkestrasse bzw. der Gerechtigkeitsgasse. Der Übergang zu den eher klein parzellierten Bauten an der Gerechtigkeitsgasse erfolgt durch einen Versatz in der Fassade, der die Maßstäblichkeit der angrenzenden Bürgerhäuser reflektiert. Durch eine Staffelung wiederum wird die orthogonale Gebäudeecke an der Brandschenkestrasse optisch eingebunden, der Straßenraum erweitert und der Bezug zu dem ebenfalls zurückgesetzten Bürogebäude aus den 1950er-Jahren hergestellt. Die straßenseitig gelegenen Fassaden sind als bündige Fassaden konstruiert und unterstützen den städtebaulichen Charakter des Ortes. Die horizontale Bänderung mit vertikaler Rhythmisierung der Verglasung lässt die ursprüngliche Tektonik des Bestandes an der Brandschenkestrasse 24 aufscheinen, während die unterschiedlich stark gerundeten Gebäudeecken im Zusammenspiel mit der Staffelung zu einem fließenden Übergang an der Brandschenkestrasse 30 führen, wo ein Bruch in der Fassadentektonik stattfindet. Für dieses Gebäude fanden die Architekten einen eigenständigen Ausdruck: Die Fassadengliederung ist vertikal und entspricht dem Takt der Gebäudestruktur, weist dabei aber die gleichen Materialien auf wie der Kopfbau. Die Nischen mit je einer Lüftungsklappe führen zu einer Rhythmisierung und Plastizität im architektonischen Ausdruck und tragen zum unverwechselbaren Gepräge der beiden Gebäude bei.

Komplexe Formen
Eine Herausforderung stellte die Konstruktion der Fassade dar, weil auf die bestehende Beton-Struktur teilweise eine doppelschalige Fassade aufgesetzt wurde: Während die Glasbrüstungen konventionell hinterlüftet und gedämmt wurden, sind die Kastenfenster als Closed Cavity Fassade ausgeführt. Von den rund 3.500 m2 Fassadenfläche wurden zudem 365 m2 mit gebogenen Gläsern ausgeführt. Daher waren die Simulationen und Berechnungen für die energetische Performance des Gebäudes und damit auch die Auswahl der idealen Glaskonstruktion teilweise sehr aufwändig. Die geschwungenen Formen erforderten exakt ausgeformte Übergänge von geraden Schenkeln in eine Biegung und abschließend wieder in eine Gerade. Das Saint-Gobain GLASSOLUTIONS Objekt-Center Döring Berlin entwickelte die möglichen Biegeformen und lieferte insgesamt 34 (175 m2) CONTOUR STADIP SOLAR 66.4-Scheiben als Verbundsicherheitsglas für den äußeren Abschluss der CCF mit SGG ANTELLIO SILVER Beschichtung sowie 13 (65 m2) gebogene komplexe, großformatige Dreifach-Isoliergläser CONTOUR CLIMATOP mit einer Elementdicke von 51 mm. Weil im Erdgeschoss noch einmal strengere Anforderungen an die Einbruchsicherheit galten, wurde dort eine andere Glaskonstruktion gewählt. Eine wesentliche energetische Anforderung wurde dabei erfüllt: der ausgezeichnete Gesamtenergiedurchlassgrad ist für alle Glaseinheiten der gesamten Fassade identisch.

 

Bild: © Karin Gauch und Fabien Schwartz

  

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