JUGENDSTIL – ZEITGEMÄß UND SICHER

Die Jugendherberge Ostkreuz ist die erste im Osten der Stadt und mit 445 Betten das größte der vier Berliner Häuser. Bei der Umgestaltung des unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen Schulgebäudes spielen Brandschutzverglasungen eine wesentliche Rolle.

In zentraler Lage in Berlin, am Ostkreuz an der Grenze der Bezirke Lichtenberg und Friedrichshain-Kreuzberg, wo sich zurzeit die kreativste und aufregendste Entwicklung in Berlin vollzieht, befindet sich die Jugendherberge Berlin Ostkreuz. Die nach Plänen der Architekten Bernd Melmert und Ralph Heusner umgebaute ehemalige Schule präsentiert sich modern und weitläufig: Alt und Neu, denkmalgeschütztes Gemäuer und funktionale Einbauten verschmelzen in einer zeitgemäßen Symbiose. Herzstück der Jugendherberge ist der großzügig und modern gestaltete Foyer- und Loungebereich,  der das Haus Richtung Bahnhof öffnet. Eindrucksvoll gelungen ist auch der Umbau der ehemaligen Klassenräume zu jeweils zwei Familienzimmern, die sich wie alle anderen Zimmer hell, mit weißen Möbeln und hohen Fenstern präsentieren. Den Architekten war wichtig, den Charme des 1907 als Jungen- und Mädchenschule errichteten Gebäudes zu bewahren. Und so ist die Grundstruktur mit breiten Fluren, Treppenhäusern mit Terrazzoböden und großen Klassenräumen mit hohen Bogenfenstern erhalten geblieben. Neue Elemente, um die die Räume ergänzt wurden, sind deutlich als solche erkennbar.

Präzision für komplexe Formen
Beim Umbau musste Denkmalschutzbelangen ebenso Rechnung getragen werden wie Brandschutzanforderungen: Eine Herausforderung für Planung, Bemessung und Einbau. So gleicht in dem Gebäude mit seinen zahlreichen Treppenhäusern, Torbögen und Durchgängen keine Tür der anderen. Vor allem die zahlreichen unterschiedlichen Bogenformen der Türen waren eine anspruchsvolle Aufgabe für den Glashersteller Vetrotech und die Metallbau Ing. M. Boldt. „Eine besondere Herausforderung stellten die Korbbögen mit mehreren Radien in einer Scheibe dar. Diese mussten wir mit Lasermessgeräten ausmessen, um exakte Ergebnisse zu erzielen“, erklärt Michael Boldt. Insgesamt ca. vierzig Glaselemente baute Metallbau Ing. M. Boldt ein. Bedingt durch Unregelmäßigkeiten wie schiefe Fußböden oder Abweichungen von rechten Winkeln war besondere Präzision sowohl bei der Bemessung als auch bei der Herstellung der Contraflam-Gläser erforderlich. Da beispielsweise die Fußböden beim Umbau erhalten werden sollten, mussten die Türen – von denen die größte knapp vier Meter hoch und in der Abwicklung (Gerade bei aufgeklappten Seitenteilen) sechs Meter breit ist – mithilfe von Schwellen an den Boden angepasst werden. Die Bandbreite der unterschiedlichen Formen und Radien aller verbauten Gläser reicht von großen Segmentbögen in den Abmessungen 2.228 mm x 1.094 mm, 2.261 mm x 1.100 mm und 2.240 mm x 1.058 mm über Kreissegmente in den Abmessungen 2.391 mm x 1.047 mm und 2.404 mm x 1.099 mm, ein Oberlicht in der Abmessung 2.862 mm x 917 mm bis hin zu ganz schmalen Scheiben von 237 mm x 2.057 mm. Dabei wurden alle Brandschutzverglasungen mit nur einer Glasart, Contraflam 30, in nur einer Glasstärke, in 16 mm, gefertigt. Dies bietet viele Vorteile, wie Ulrike Martiens von Vetrotech erläutert: „Der Vorteil für den Metallbauer besteht darin, dass er nur eine Sorte Glashalteleisten benötigt, der Vorteil für den Architekten und Bauherren ist die einheitliche Ansicht in allen Bereichen.“ Gerade bei Restaurierungen, wo Brandabschnitte nachträglich mit Brandschutzglas versehen werden müssen, kann Contraflam so punkten. Durch den Umbau, der die räumlichen Gegebenheiten respektiert und dem Haus zugleich einen zeitgemäßen Auftritt gibt, ist Raum für Gemeinsamkeit und Gastfreundschaft entstanden. Die hochwertigen und sowohl funktional als auch ästhetisch überzeugenden Lösungen mit Brandschutzverglasung sorgen dabei für den sicheren Rahmen.

Was lange währt …
Von der Idee der Umnutzung des alten Schulgebäudes bis zur Eröffnung der Jugendherberge Ostkreuz im Juli 2016 war es ein langer Weg. Bereits 2009 bot der Senat von Berlin dem DJHLandesverband Berlin-Brandenburg das Gebäude der ehemaligen Fachhochschule für Elektrotechnik als neuen Standort für eine Jugendherberge an. Um die Kosten für die Sanierung in Höhe von rund 10 Millionen Euro stemmen zu können, gründeten acht Landesverbände gemeinsam eine gemeinnützige Betriebsgesellschaft. Die Jugendherberge Ostkreuz verfügt über 445 Betten in 125 Zwei-, Drei- und Vierbettzimmern sowie kleinen Familienappartements mit zwei Schlafräumen. Zudem verfügt das Haus über Mehrbettzimmer für Schulklassen und Gruppen sowie über Einzelzimmer für Einzelreisende. Zentrale Treffpunkte sind das Foyer und die Speiseräume im Anbau mit Außenterrasse, der eine direkte Wegeverbindung zum Bahnhof Berlin Ostkreuz bietet und Begegnungsräume schafft. In die Jugendherberge integriert ist zudem ein Jugend-Bildungszentrum und in einer der ehemaligen Turnhallen hat das Kinder- und Jugendtheater „Strahl“ seine Spielstätte. Mit dem Umbau kommen also wieder Kinder- und Jugendliche in das Gebäude zurück und füllen es wie einst die Schule mit Leben.

 

Bild: © Vetrotech Saint-Gobain Deutschland, Fotograf: Matthias Enter, Enter Studio Berlin

  

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