LUXUSLEBEN IM INDUSTRIEAMBIENTE

Ursprünglich für die Lagerung von Gas gebaut, dann nahezu in Vergessenheit geraten, dienen die Gasholder-Strukturen im Londoner Stadtteil King’s Cross heute als Rahmen für Luxusapartments. Gläserne gebogene Brüstungen setzen Glanzpunkte.

In klassischen London-Filmen wie «Ladykillers» (1955) und «Alfie» (1966) dienten sie als Schauplätze für dunkle Taten: die Gasbehälter der viktorianischen Ära im Londoner Stadtteil King’s Cross. Die Gegend rund um einen der großen Bahnhöfe Londons hat eine wechselvolle Geschichte: Einst geschäftiges Industrieareal wurde die Gegend nach dem Zweiten Weltkrieg zur Industriebrache und versank in einen jahrzehntelangen Dornröschenschlaf. Mit dem Ausbau des nahegelegenen Bahnhofs von St Pancras zum Eurostar-Terminal 2007 startete die Wiederbelebung des Gebietes. Mittlerweile wird das gesamte Gelände nördlich der Bahnhöfe als neues Stadtquartier entwickelt. Heute ist King‘s Cross Central eines der größten Projekte regenerativer Stadtplanung in Europa. Markante Wahrzeichen des Stadtteils sind die gusseisernen „Gasholder“-Strukturen, die zwischen 1860 und 1880 für die Lagerung von Gas gebaut wurden.

Nach einer aufwendigen Renovierung der Säulen dienen nun drei der vier runden Stahlbauten als Rahmen für luxuriöse Apartments. Auf der Innenfläche des vierten Gasbehälters entstand ein kleiner Park. Jeder der drei Wohnbauten ist von Beton umrahmt und konstruktiv unabhängig von den historischen Rahmen, die sie umgeben. Sie sind alle unterschiedlich hoch und so konstruiert, dass sie einen Anstieg und Abfall des Drucks in den originalen Gasbehältern andeuten. Die Außenverkleidung jedes Blocks besteht aus strukturierten vertikalen Paneelen aus Stahl und Glas, die wie ein Spitzenvorhang wirken. Jeder Block hat ein spektakuläres, zylindrisches Atrium mit kreisförmigen Stegen in seiner Mitte. Gläserne gebogene Brüstungen begrenzen innen umlaufende Gänge. Die vom österreichischen Glasbiegespezialisten Wenna gefertigten Balustraden setzen ästhetische Glanzpunkte und bieten zugleich Schutz. Zwischen den drei Gasbehältern befindet sich ein offener Hof, in dem sich die sich kreuzenden Strukturen der drei Rahmen über einem schwarzen Porzellanspiegel erheben.

Faszinierende Kreisformen
Die 145 Apartments sind wie „Scheiben eines Kuchens“ auf jeder Ebene angeordnet und die Grundrisse, die sich dem Halbrund des Gebäudes anpassen müssen, deshalb alle ungewöhnlich. Fast alle Apartments verfügen über großzügige Balkone oder Terrassen. Durch raumhohe Dreifachverglasungen eröffnet sich ein beeindruckender Panoramablick auf London. Automatisch angetriebene Falt-Schiebe-Sonnenschutzanlagen aus schimmerndem Metall gewähren sowohl Schatten als auch Privatsphäre. Sie nehmen das Motiv des durchbrochenen Stahls der Fassadenummantelung wieder auf und folgen laut Architekt Chris Wilkinson einer „UhrmacherÄsthetik“.

Für die Entwicklung, Fertigung und Montage der Sonderfassaden und Glaskonstruktionen sowie der automatisch angetriebenen Falt-Schiebe-Sonnenschutzanlage aus Metall wurde das Spezialisten-Team vom Fassadenbauunternehmen Frener & Reifer aus dem norditalienischen Brixen beauftragt. Diese wiederum wandten sich für die Fertigung der Brüstungsgläser an Wenna. Eine anspruchsvolle Aufgabe, da die 20 mm starken STADIP CONTOUR Verbund-Sicherheitsgläser aus zwei teilvorgespannten extraweißen DIAMANT-Gläsern höchste qualitative Ansprüche erfüllen mussten. Die Herstellung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit den Spezialisten von Frener & Reifer, die eigens für ein Audit zum Produktionsstandort von Wenna in Oberneukirchen reisten. Eine der Herausforderungen für eine gleichbleibend hohe Qualität war beispielsweise der große Radius der Gläser von 12 Metern, sowohl beim Biegen als auch beim Laminieren. Das Ergebnis besticht: Die kühle Ästhetik der Glasbrüstungen steht einerseits in klarem Kontrast zur „Maschinenästhetik“ der industriellen Strukturen und verbindet sich andererseits mit dieser zu einem faszinierenden Stilmix.

Bild: FRENER & REIFER Fassaden/Jens Poller

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