STUDIEREN IM INDUSTRIEDENKMAL

Wie es gelingt, eine ehemalige Industriehalle in eine Bibliothek mit anregender Atmosphäre zu verwandeln, zeigt das Beispiel der ZHAW in Winterthur. Klare Lösungen mit Brandschutzgläsern und ein Patchwork alter und neuer Fenster überzeugen.

Das Ambiente ist beeindruckend: Aus der riesigen Halle in der Winterthurer Stadtmitte, die Architekt Lebrecht Völki 1931 als Rohrschlosserei für die Firma Sulzer gebaut hatte, ist eine elegante Kathedrale des Wissens geworden. Das Herz der neuen Bibliothek der Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) ist die rund 90 Meter lange, 18 Meter breite und 10 Meter hohe stützenfreien Halle im Erdgeschoss. Getragen wird das Haus von einer sichtbaren, dreigeschossigen Stahlkonstruktion.

Haupthalle, Hülle und Haustechnik
Die Winterthurer P & B Architekten legten bei der Umnutzung drei Schwerpunkte: Haupthalle, Hülle und Haustechnik. Die sichtbarsten Eingriffe sind die zwei terrassierten Geschosse der Freihandbibliothek und der rückseitige Erschließungskern. Links und rechts führt je eine Treppe in die Zwischengeschosse nach oben. Entlang der Brüstungen sind die von viel Tageslicht beleuchteten Arbeitsplätze aufgereiht. Sie erlauben Blicke quer durch die Halle oder auf das Kommen und Gehen beim Eingang. Nicht alles ist alt, was so aussieht: Die Fensterrahmen sind original, die Gläser aber neu. Insgesamt wurden drei verschiedene Glasarten eingesetzt, darunter auch zahlreiche hochmoderne Brandschutzverglasungen aus CONTRAFLAM EI 30 und EI 60. Die unterschiedlichen Qualitäten der Verglasungen erzeugen den Eindruck, als seien die Fenster ein Patchwork originaler, neuerer und älterer Gläser.

Kastenfenster für Innen
Für die Innenseite entwarfen die Architekten Kastenfenster, die sich unauffällig in die bestehende Geometrie einreihen. Dank der passenden Nutzung und dem sorgfältigen Umgang mit der alten Bausubstanz ist nur wenige Gehminuten vom Bahnhof Winterthur entfernt eine öffentliche, Tag und Nacht (zumindest für Studierende) zugängliche Lernlandschaft, eine Lesehalle, ein Studierzentrum mit Café und nicht zuletzt ein Treffpunkt der Disziplinen entstanden.

Weitere Beispiele gelungener Umnutzungen bzw. Wiederbelebungen, denen teils ungewöhnliche oder gar gänzlich neue Ansätze zugrunde liegen, finden Sie in der aktuellen Ausgabe der glasklar.

 

Bild: © 2017 Guiseppe Micciché

  

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