23. Dezember 2019

Mit neuem Leben erfüllt

Erneuerung und Sanierung von Bestandsgebäuden

Treffpunkt der Disziplinen: Bibliothek der ZHAW Winterthur nach der Sanierung
×

Treffpunkt der Disziplinen: Bibliothek der ZHAW Winterthur © 2017 Guiseppe Micciché

13Umbauen, erweitern, sanieren oder gar abreißen? Wenn Gebäude in die Jahre kommen, stellt sich häufig die Frage, was mit dem Bau passieren soll. Bei privaten Wohnhäusern geht es dann neben Fragen der energetischen Sanierung z. B. darum, ob die Wohnraumgrößen passend sind, die Raumaufteilung noch sinnvoll und gewünscht ist und ob der Wohnkomfort den Bedürfnissen der Bewohner (noch) entspricht. Bei einer selbst genutzten Immobilie bestimmt der finanzielle Rahmen die Wünsche nach Veränderung mit. Hier sind Kosten-Nutzen-Abwägungen gefragt und gute Beratung beispielsweise über Fördermaßnahmen. Bei Gewerbebauten oder öffentlichen Gebäuden spielt eine Vielzahl weiterer Faktoren eine Rolle, wobei der energetische Aspekt heute zentral ist. Unterschiedliche Nutzungen und Komfortdimensionen sind weitere bestimmende Faktoren. Wir stellen im Special Sanierung & Komfort Beispiele gelungener Umnutzungen bzw. Wiederbelebungen vor, denen teils ungewöhnliche oder gar gänzlich neue Ansätze zugrunde liegen.

Herausforderung Denkmalschutz

Eine besondere Herausforderung stellt eine Sanierung häufig bei historischen Gebäuden dar, wo Denkmalschutzaspekte berücksichtigt werden müssen. Wie es gelingen kann, den Charme eines Hauses aus den 1910er-Jahren unter Verwendung moderner Technik zu bewahren, zeigt das Beispiel eines Hauses in der Lübecker Altstadt. Wenn ein historisches Gebäude nicht nur ertüchtigt, sondern auch einer völlig anderen Nutzung zugeführt werden soll, sind erhebliche Eingriffe unvermeidbar. So wurden beim Umbau einer alten Schule in Berlin zu einer Jugendherberge Räume nicht nur umgestaltet, sondern auch Wände versetzt. Besonders gelungen sind die neuen Brandschutztüren, eine Symbiose von alt und neu. Zu welch eindrucksvollem Ergebnis die Umnutzung einer Rohrschlosserei führen kann, zeigt das Beispiel der ZHAW in Winterthur, wo mit der Uni-Bibliothek ebenfalls junges Leben in die alten Hallen eingezogen ist.

Weitaus radikaler waren die Eingriffe bei den Industriedenkmälern der historischen „Gasholders“ im Londoner Stadtteil King’s Cross. Hier blieb nur der äußere Rahmen erhalten, den die Architekten spektakulär mit neuem Innenleben füllten. Ein Beispiel, wie es gelingen kann, eine neue Fassadenkonstruktion, städtebauliche Organisation und energetische Sanierung auf höchstem Niveau auf beeindruckend elegante Weise zu vereinen, zeigt der Umbau eines Gebäudeensembles in Zürich. Entdecken Sie an diesen und weiteren Beispielen, wie Gebäude mit neuem Leben erfüllt werden können.

Zum Special „Sanierung & Komfort“

Inside

Sanierungsbedarf

Öffentliche und private Gebäude in Deutschland verbuchen für Heizung, Warmwasser und Beleuchtung einen Anteil von vierzig Prozent des Gesamt-Energieverbrauchs und stehen für fast dreißig Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes. Zugleich werden in privaten Haushalten rund 85 Prozent des gesamten Energiebedarfs für Heizung und Warmwasser eingesetzt. Hier liegen große Energieeinsparpotenziale, insbesondere im Gebäudebestand mit 18 Millionen Wohngebäuden und rund 1,7 Millionen Nichtwohngebäuden. 75 Prozent dieser Gebäude sind vor der ersten Wärmeschutzverordnung 1978 errichtet worden, vielfach noch unsaniert und daher oftmals in einem energetisch schlechten Zustand. Förderprogramme und weitere Informationen finden Sie hier.