12. Juni 2021

Wichtig: Ausgewogenes Verhältnis von Innenraumklima und Tageslichteintrag

Licht und Schatten

Wie lassen sich maximaler Tageslichteintrag, variabler Blendschutz und ein ganzjährig angenehmes Raumklima optimal vereinen? Der Beitrag erläutert, worauf es ankommt.

Kubistisches Einfamilienhaus mit verschiedenen Blöcken, die wie auf- und nebeneinander gestapelt wirken. Über einer grauen Garage mit Holzumrandung ragt ein Block wie schwebend hinaus. Dieser ist bodentief verglast und mit einem Ganzglasgeländer umrandet.
×

© korisbo/Shutterstock.com

Architekten und Bauherren setzen zunehmend auf großzügige Verglasungen. Die Herausforderung: Kommt Standard-Wärmeschutzglas zum Einsatz, hält es im Winter zwar Wärme drinnen, im Sommer aber auch. Fehlt eine adäquate Verschattung, kann das schnell zu überhöhten Innenraum-Temperaturen führen. Doch das lässt sich umgehen, wenn alle Beteiligten frühzeitig mögliche Lösungen ins Auge fassen – idealerweise schon in der Entwurfsphase. Denn dann lassen sich für einen wirksamen Sonnenschutz die infrage kommenden Optionen noch durchspielen.

Sonnenschutzglas

Die wohl naheliegendste Lösung stellt die Wahl einer passenden Verglasung dar – schließlich gelangen Licht und Wärme durch die Fenster ins Gebäude. Ideal ist die Verwendung von Isolierverglasungen mit Sonnenschutzfunktion, die im Vergleich zu klassischen Isoliergläsern bei hohem Lichteintrag weniger Wärme einlassen und damit die Zimmertemperaturen im Sommer um bis zu 5 °C senken. Moderne Sonnenschutzgläser bieten eine neutrale Farbwirkung ohne unangenehme Spiegelungen, schützen aber nicht davor, dass Bewohner von direkter Sonneneinstrahlung geblendet werden.

Verschattungssysteme

Außenliegender Sonnenschutz wie Raffstores, Jalousien, Markisen, Sonnensegel oder Vorbauten haben die höchste Wirksamkeit, da sie die solare Energie schon vor der Verglasung ableiten, sind je nach Ausstattung und Funktion allerdings teurer in Anschaffung und Betrieb sowie schmutzanfälliger. Kostengünstiger, pflegeleichter und weniger wartungsintensiv sind dagegen innenliegende Verschattungssysteme wie Rollos oder Vorhänge. Ihr Nachteil: ihre erheblich geringere Wirkung, da die Sonnenwärme ins Innere gelangt, bevor sie absorbiert werden kann. Daher sollten sie nur Anwendung finden, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Eine deutlich cleverere Lösung ist da, die Verschattungslösung in den Scheibenzwischenraum zu verlagern. Denn wie das innenliegende kann das integrierte Verschattungssystem ebenfalls wetterunabhängig bei großflächigen Fassaden ohne ästhetische Einbußen bedarfsabhängig zum Einsatz kommen. Für die Steuerung der eingebauten Jalousien oder Rollos sind allerdings zusätzliche Kosten für Elektronik und Wartung zu berücksichtigen. Eine Alternative kann schaltbares elektrochromes Glas darstellen: Je nach Intensität der solaren Strahlung verändern sich Tönung und g-Wert der Verglasung. Die freie Sicht bleibt bestehen – wenn auch farblich eingeschränkt.

Blendschutz

Ein weiterer wichtiger Punkt gerade auch hinsichtlich Bildschirmarbeitsplätzen und Fernsehernutzung: Blendschutz. Denn Sonnenschutz bedeutet nicht einfach nur, ein Übermaß an Sonnenenergie zu vermeiden – zudem gilt es, störende Reflexionen und hohe Kontraste zu verhindern. Vordächer und andere bauliche Verschattungen können bei direkter Sonneneinstrahlung gute Dienste leisten, sind aber nicht immer umsetzbar. Darüber hinaus sind sie bei tiefstehendem Sonneneinfall – dies betrifft im Sommer die Ost- und Westfassade, im Winter die Südfassade – weniger effizient. In diesen Fällen helfen Raffstores, Jalousien oder Vorhänge.

Umsetzung

Welche Option die beste ist? Schwer zu sagen, denn die direkte solare Einstrahlung und die Art der Verschattung sind – wenn auch hauptverantwortlich – nicht allein ausschlaggebend für die Innenraumtemperatur. Nutzerverhalten und Gebäudeeigenschaften tragen ebenfalls dazu bei. Neben baulichen Aspekten spielt zudem die Ästhetik eine Rolle ebenso wie die Frage des Komforts, bei der die Balance zwischen hohem Tageslichteintrag und geringer Wärmelast zu finden ist. Wie auch immer die Prioritäten gesetzt werden, eines steht fest: Eine allgemeingültige Lösung gibt es nicht, individuelle Planung tut Not. Dabei empfiehlt eine Studie des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung die Kombination von Sonnenschutzglas mit externer Verschattung als effektivstes Mittel.

Den vollständigen Artikel finden Sie im come.inn Magazin Klimawandel-Architektur.

Inside

Tönung auf Knopfdruck

 

DYNAMISCHE GLÄSER

Wenn außenliegende Verschattungslösungen aus architektonischen Gründen nicht gewünscht sind, hängt das Raumklima umso mehr von der Wahl der Verglasung ab: Wäre es nicht schön, je nach Außentemperatur zwischen unterschiedlichen g-Werten wählen zu können? Kann man: mit elektrochromem Glas. Das dynamische Glas passt seine Tönung automatisch oder per Knopfdruck an die jeweiligen Witterungsverhältnisse an. Damit bietet es zu jeder Tages- und Jahreszeit besten Blendschutz und optimale Werte – bei freiem Blick nach draußen. Gerade im Fassaden-Einsatz eine clevere und energieeffiziente Alternative mit hohem Aufenthaltskomfort.