11. Mai 2021

Mundgeblasene und handgefertigte Gläser für die Kirche Saint-Martin

Prinzipien des Lebens in Buntglasfenstern

Farbe, Licht und Glas sind die Elemente, mit denen der Kirche Saint-Martin in Romilly-sur-Seine neues Leben eingehaucht wurde. Die zeitgenössischen Glasfenster, die der Künstler Joël Mône in enger Zusammenarbeit mit der Glashütte Saint Just über einen Zeitraum von fünf Jahren anfertigte, setzen die Motive Wasser und Licht mit einer Vielzahl farbiger Gläser als faszinierendes Farbspiel in Szene.

Innenraum einer Kirche mit alten und neuen Fenstern. Links oben zwei Fenster mit rotem Glas, rechts oben zwei Fenster mit blauem Glas.
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Fotograf: Jean-Sébasiten Poirier – NomadistMoon / © Saint-Gobain Glass

„Dieses Projekt ist außergewöhnlich, schon allein wegen seiner Größe“, sagt der Künstler Joël Mône über seine Glasfenster. „14 Joche, darunter die beiden im Querschiff, sind jeweils 33 m² groß. Es handelt sich um 202 m² zeitgenössische Kreation in traditioneller Glasmalerei und etwa achtzigtausend Glasstücke, die geschnitten und montiert wurden“, so der Künstler. Neben der Größe und Vielzahl der Gläser bestechen die Glasfenster in der Kirche Saint-Martin in Romilly-sur-Seine durch ihren künstlerischen Ausdruck und die kunstvolle Umsetzung. Die Gläser stellte Joël Mône in mehrjähriger enger Zusammenarbeit gemeinsam mit der Glashütte Saint-Just her. Die 14 neuen Fenster ersetzen das bis dahin unvollständige, hauptsächlich aus Weißglas bestehende Fensterset der Kirche. Die beiden größten Fenster (Taufe Christi im Norden in Blautönen, Christus im Süden in Rottönen) wurden im Januar 2013 eingeweiht und haben jeweils eine Fläche von 33 m². Die restlichen zwölf Fenster mit je 11 m² wurden zwischen 2013 und 2017 in Schritten von jeweils drei Fenstern eingebaut. Das Thema der 14 Fenster  ist „Wasser und Licht: Prinzipien des Lebens“. Mit ihren vom Regenbogen inspirierten Farben, warmen Farben im Süden und kalten Farben im Norden, inspirieren die Fenster dazu, diese Kirche mit ihrer ungewöhnlichen Geschichte zu entdecken.

Um diesen Regenbogeneffekt  zu erzielen, benötigte der Künstler hochtransparentes Glas in einer Vielzahl von Farben. Seine Idee dazu: „Man nehme (für jedes Fenster) einen einzigen Farbton und variiere seine Intensität entsprechend der Größe der kleinen Scheiben. Mit einem Quadrat, einem geometrischen Verlauf, einer Farbe, erschaffe ich ein Universum aus Formen und Farben. Dann erscheinen Volumen, Perspektive, die dritte Dimension, die vierte…“ In kongenialer Zusammenarbeit mit der Glashütte, die jedes Glas und jede Farbnuance einzeln bearbeitete, entstanden so Gläser, die wie Edelsteine geschliffen sind oder an Perlen erinnern, und Bleiverglasungen, die zu Bildern in den Fenstern zusammengefügt eine faszinierende Ausstrahlung erzielen.

Zeitgenössische Kunst für die Unvollendete

Die Kirche Saint-Martin in Romilly-sur-Seine stammt aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert. Der erste Stein wurde im Jahr 1903 gelegt. Zwei Jahre später wurde das Gesetz über die Trennung von Kirche und Staat verabschiedet. Dies setzte der Arbeit vieler Kirchen ein Ende, darunter auch Saint-Martin. Die heutige Kirche blieb unvollendet. Sie besteht aus einem Kirchenschiff mit Seitenschiffen, einem breiten Querschiff und einem Chor mit einer großen dreiseitigen Apsis. Aus Geldmangel wurde nur ein Joch gebaut, das mit einer blinden Wand als Fassade abgeschlossen wurde. Da der Glockenturm nicht errichtet werden konnte, wurden die Glocken der alten Kirche in einem heute verschwundenen Glöcknerhaus installiert und dann auf den 1971 errichteten, 17 m hohen Betonglockenturm aufgesetzt, der noch heute an der Nordseite in Höhe der Westfassade zu sehen ist. Die Initiative zur Wiederbelebung der Kirche ging von den Gemeindemitgliedern aus, die den Künstler Joël Mône damit beauftragten, zeitgenössische Glasfenster zu gestalten und so dem nie fertiggestellten Gotteshaus einen neuen, modernen Impuls zu geben.

Das gesamte für dieses Projekt verwendete Glas wurde von der Glashütte Saint-Just in der Nähe von Lyon verarbeitet und vertrieben. Die „Verrerie de Saint-Just“ stellt mundgeblasenes und getöntes Glas her und bietet damit eine Vielzahl von Möglichkeiten in Bezug auf Farbabstufungen und Glasdicke. Die Gläser für die Kirche Saint-Martin sind Spezialanfertigungen, aber die Glashütte verfügt über ein Sortiment an Standardtönen, die hier zu finden sind.