25. November 2020

Gefragte Außenseiter

Variantenreich gestalten mit Glasoberflächen

Oberflächlich betrachtet ist Glas ein durchsichtiges Material, das Öffnungen in Wänden verschließt. Tatsächlich ist Glas viel mehr – und sieht vor allem gut aus. Durch unterschiedliche Be- und Verarbeitungsmöglichkeiten wird die Oberfläche des Glases zu einem außerordentlichen Designelement. Bei Gussgläsern zum Beispiel entsteht das Muster des Glases schon bei der Herstellung. Doch auch diese können noch weiter bearbeitet werden. Entdecken Sie die schönen Seiten des Glases und wie vielfältig sie sich im Innenausbau einsetzen lassen.

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Das verspiegelte, satinierte Glas SATINOVO MATE MIRALITE PARSOL in grau überzeugt durch eine kühle, geradezu stoffliche Ausstrahlung. © BHW Business Apartmejt, Hamburg; Foto: Studio BE GmbH & Co. KG/SAINT-GOBAIN GLASS

Glänzend, matt, strukturiert, verspiegelt oder farbig: Glas hat viele Gesichter. Und vermag mit seinem vielgestaltigen Aussehen Anwendungen im Innen- und im Außenbereich zu veredeln. Dabei trägt die Beschaffenheit der Glasoberfläche entscheidend zur jeweiligen Ausstrahlung bei: Lässt das Glas den Hintergrund erahnen und damit neugierig auf das dahinter Liegende machen, soll es etwas verbergen oder selbst als ästhetisches Highlight inszeniert werden? Und steht das Glas im Vordergrund oder das, was sich dahinter befindet? Vor der Wahl der entsprechenden Verglasung geht es also zunächst darum, sich über die gewünschte Wirkung klar zu werden. Je nach Herstellung und Weiterverarbeitung kann diese von maximaler Transparenz über teilweise Durchsicht, Spiegelung, Transluzenz oder Reflexion bis zu völliger Opazität reichen.

Floatglas und Gussglas

Glas für den Bausektor wird als planes Floatglas oder als strukturiertes Gussglas, bei dem das Muster mit Hilfe einer Walze in die heiße Glasmasse geprägt wird, hergestellt. Beide Glasarten können als extra-weißes Glas mit einem geringeren Eisenoxidanteil produziert werden, was für eine höhere Transparenz und ein helleres Erscheinungsbild sorgt. Das Einfärben der Glasmasse erzeugt transparent farbige Effekte. Die Oberfläche von Gussglas zeigt eine jeweils charakteristische Struktur. Während sich durch die Strukturierung das Licht bricht und Gussglas damit zugleich als dezenter Sichtschutz und als eigenständiges Designelement fungiert, ist planes, klares Floatglas in erster Linie Ausgangsmaterial für weitere Bearbeitungen. Es entspricht den landläufig mit Glas assoziierten Vorstellungen wie spiegelnd, glänzend und transparent. Dieser visuelle Charakter kann verändert werden, indem dem Glas entweder etwas hinzugefügt wird wie beim Bedrucken, Lackieren, Verspiegeln oder Emaillieren, oder indem von der Oberfläche etwas abgetragen wird, wie beim Sandstrahlen, Ätzen oder Lasern. Auch Beschichtungen zu funktionalen Zwecken wie Wärme- oder Sonnenschutz können die Ansicht der Glasoberfläche verändern, indem sie die Durchsicht reduzieren oder das Licht stärker reflektieren. Maximale Transparenz lässt sich durch das Aufbringen von entspiegelnden Schichten erreichen. Eine ebenso einfache wie effektvolle Methode, den Charakter von Glas extrem zu verändern, ist das Verspiegeln von Gläsern, so dass Reflexion statt Transparenz zum hervorragendsten Merkmal des Glases wird. Das bietet neben dem praktischen Nutzen weitere vielfältige Einsatzmöglichkeiten für Spiegel, beispielsweise als reizvolle Designelemente in der Innenraumgestaltung.

Einsichten und Rücksichten

Verspiegelte Gläser können Räume in alle Richtungen erweitern, Licht und Blicke lenken und Proportionen und Perspektiven verändern und beeinflussen. Spiegel können auch selber als Lichtquelle dienen, indem Leuchten direkt auf oder hinter der Oberfläche befestigt werden. Durch Sandstrahlen, Gravieren, Mattieren oder Bedrucken lassen sich zudem unterschiedliche Dekore aufbringen und Spiegel individuell gestalten. Ungewöhnliche Effekte lassen sich beispielsweise mit einem satinierten Spiegel wie SATINOVO MATE MIRALITE erzielen. Denn die Bearbeitung verändert die Oberfläche so, dass das Glas durch die Licht reflektierende Silberschicht zwar strahlende Akzente setzt, aber nicht mehr spiegelt. Der metallische Glanz betont eine klare Formensprache, daher eignet es sich besonders für einen modernen oder puristischen Einrichtungsstil.

Schöne Strukturen für innen

Sichtschutz, Lichtstreuung, Lichtlenkung und Struktur sind die wesentlichen Eigenschaften von Designglas, dessen Oberfläche sich durch das in das Glas geprägte Muster auszeichnet. Mit Designglas lässt sich Licht als architektonisches Element einsetzen – je nach Struktur des Glases für gezielte oder überraschende Effekte. Damit ist es ein vielseitiges Gestaltungselement sowohl für den Innen- als auch für den Außenbereich. Strukturiertes Designglas kann sich durch die unterschiedlichen Muster jedem Stil anpassen, kann aber auch selber stilbildend wirken. Der großflächige Einsatz beispielsweise als Trennwand kann ganzen Räumen je nach Wunsch eine klare kühle, verspielt leichte oder rustikal raue Atmosphäre verleihen. Neben der visuellen hat strukturiertes Designglas auch eine starke haptische Komponente, die die Wirkung noch verstärkt. Designgläser sind in verschiedenen Ausführungen erhältlich. Je nach Walzenform können eine glatte und eine strukturierte, zwei glatte oder zwei strukturierte Oberflächen erzeugt werden. Die glatte Seite kann zudem weiterverarbeitet werden, z. B. lackiert oder satiniert. Das eröffnet zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten und zeigt das Potenzial von strukturiertem Designglas als Material mit Zukunft. So kann das Glas schimmern, changieren, scheinbar in Bewegung sein oder in Kombination mit Farbe eine geradezu stoffliche Ausstrahlung erhalten.

Neue Sicht auf Farbe

Die Verbindung mit Farbe gibt Glas zusätzliche Dimensionen, die die Einsatzmöglichkeiten erweitern, indem sie mit den Aspekten Transluzenz, Dekor und Undurchsichtigkeit spielen. Farbe kann durch Bedrucken, Lackieren oder Emaillieren auf das Glas aufgebracht werden. Zudem kann Glas eingefärbt oder es können farbige Folien zwischen Glasscheiben laminiert werden. Jedes Verfahren verändert die Eigenschaften, die Einsatzmöglichkeiten und die Wirkung des Glases, mal ist es glänzend und intensiv, mal dezent und zurückhaltend. Lackiertes und emailliertes Glas leben vom Spiel mit Glanz und Farbe, sie verfügen über besondere Leuchtkraft und Brillanz. Bei lackiertem Glas wie beispielsweise PLANILAQUE EVOLUTION wird die Farbe auf der Rückseite des Glases aufgetragen und ausgehärtet, so ist sie geschützt vor Beschädigung und Feuchtigkeit und die Farben bleiben dauerhaft leuchtend. Rückseitig lackiertes Glas kann als Wandverkleidung oder Möbelfront den ganzen Raum ästhetisch akzentuieren. Durch weitere Bearbeitungstechniken wie Bedrucken, Sandstrahlen oder Ätzen lässt sich lackiertes Glas zudem vielfältig gestalten. Der ästhetische Effekt variiert je nachdem, ob die Sandstrahlung oder Ätzung auf der lackierten oder auf der nicht lackierten Seite erfolgt.

Oberflächen von Gläsern laden dazu ein, mit den unterschiedlichen Eigenschaften sowohl visuell als auch haptisch und funktional zu „spielen“. Die vielen unterschiedlichen Möglichkeiten der Bearbeitung und Gestaltung bieten dabei Raum für serielle ebenso wie für individuelle Lösungen im Innenbereich. Raum, die schönen Seiten des Werkstoffs Glas abwechslungsreich in Szene zu setzen.

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