22. November 2020

Rafael Niestroj im Interview

Zehn Jahre Erfahrung mit bedrucktem Glas

Rafael Niestroj, Vertriebsleiter bei der GVG Deggendorf, beschäftigt sich seit zehn Jahren mit Digitaldruck. Im glasklar-Interview berichtet er über die Besonderheiten von Siebdruck und von digitalem Druck und über die anhaltende Begeisterung seiner Kunden für diese Form der Glasbearbeitung.

Digitaldruck „live“
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Digitaldruck „live“ SAINT-GOBAIN DEUTSCHE GLAS/ Foto: Olaf Rohl

Redaktion Glasklar: Für welche Anwendungen eignet sich bedrucktes Glas?

Rafael Niestroj: Bedrucktes Glas eignet sich für den Innen- sowie für den Außenbereich. Dabei sind der Kreativität kaum Grenzen gesetzt. Bis heute überraschen uns Kunden immer wieder mit neuen Einsatzmöglichkeiten.

Redaktion Glasklar: Welches Verfahren ist für welche Anwendung am besten geeignet bzw. was sind die Vorteile von siebbedrucktem bzw. digital bedrucktem Glas?

Rafael Niestroj: Mit der Technologie des Digitaldruckverfahrens wurden die Einschränkungen des traditionellen Glasdrucks überwunden. Dies gibt Architekten neue Möglichkeiten, moderne und nachhaltige Designs zu kreieren und kostengünstig zu verwirklichen. Natürlich spielt hier die Stückzahl eine große Rolle. Bei kleinen Losgrößen bzw. unterschiedlichen Grafiken ist das Digitaldruckverfahren effizienter. Die Vorteile des Siebdruckverfahrens liegen klar in der Geschwindigkeit bei hohen Stückzahlen mit gleichen Formaten und Ausführungen.

Redaktion Glasklar: Was ist das Besondere am Digitaldruck?

Rafael Niestroj: Zehn Jahre lang habe ich den Bereich für bedruckte Gläser betreut und es gab immer wieder etwas Neues zu entdecken. Architekten, Handwerker oder Glaser fanden jeden Tag andere Möglichkeiten, um dieses Produkt einzusetzen. Hierbei spielen die anpassbaren Eigenschaften wie Lichtstreuung, Rutschhemmung, Lichtdurchgang etc. eine große Rolle. Die Individualität jeder Scheibe ist eine große Besonderheit des Digitaldruckes.

Redaktion Glasklar: Worauf muss beim Umgang mit und beim Einbau von bedruckten Gläsern geachtet werden?

Rafael Niestroj: Keramisch bedruckte Gläser sind sehr robust und kratzfest. Daher ist der Umgang gleichzusetzen mit Standard-Einscheiben-Sicherheitsgläsern bzw. teilvorgespannten Gläsern. Beim Einbau bzw. bereits bei der Bestellung sollten die Lichtverhältnisse beachtet werden. Da die Druckschicht im Gegensatz zu Siebdruck sehr dünn ist, sollte von einer Verklebung ohne Sperrschicht abgeraten werden.

Redaktion Glasklar: Kann bedrucktes Glas weiterverarbeitet werden?

Rafael Niestroj: Die keramischen Farben werden bei einem thermischen Vorspannprozess mit der Glasoberfläche verbunden. Hier kann zwischen Einscheiben-Sicherheitsglas und teilvorgespannten Glas gewählt werden. Diese Gläser lassen sich zu Verbund-Sicherheitsglas oder Isolierglas weiterverarbeiten. Ein Druck auf gewisse Strukturgläser ist auch möglich.

Redaktion Glasklar: Was müssen die Kunden bei den Vorlagen beachten?

Rafael Niestroj: Die Vorlagen müssen eine gute Qualität in Abhängigkeit von der Glasgröße aufweisen. Je größer die Scheibe, desto besser muss die Vorlage sein. Danach werden die Motive bemustert – dies ist erforderlich, da keramische Drucker mit einem anderen Farbsystem als herkömmliche Drucker arbeiten. Durch diesen Unterschied können Abweichungen in Farbe und Brillanz entstehen.

Redaktion Glasklar: Haben Sie einen persönlichen Tipp oder Hinweis zum Einsatz von bedrucktem Glas?

Rafael Niestroj: Das Spiel mit transparenten Stellen und bedruckten Flächen ist für mich besonders interessant. Hier werden die schönen ästhetischen Aspekte von Glas und keramischem Digitaldruck in Szene gesetzt. In Verbindung mit eingefärbten Floatgläsern wirkt das Produkt besonders edel.

Redaktion Glasklar: Und haben Sie ein persönliches Lieblingsobjekt?

Rafael Niestroj: Wir haben in den letzten zehn Jahren eine Vielzahl von wirklich sehr schönen, zum Teil ungewöhnlichen Objekten realisieren dürfen. Eines davon, an das ich mich gerne erinnere, ist der Turm des DONAUISAR Klinikums bei uns in Deggendorf. Für dessen Gestaltung entwarf der Künstler Alfons Y. Bauernfeind digitale Bildvorlagen, die durch das keramische Digitaldruckverfahren PICTUREit auf zwanzig 8 mm starke Glaspaneele aufgetragen wurden. Zusammen mit gefrästen Fassadenplatten ergeben sie ein beeindruckendes Kunstwerk.

(Lesen Sie hier den Beitrag über das Kunstwerk am DONAUISAR Klinikum.)

Vielen Dank für das Gespräch!

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